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Jan Böh­mer­mann berich­tet über Sandknappheit

(Die­sen Bei­trag haben wir bereits im Juli 2020 ver­öf­fent­licht und zei­gen ihn jetzt in aktua­li­sier­ter Form.)

Jan Böh­mer­mann ist bekannt für sati­risch zuge­spitz­te, oft genug auch über­spann­te Aus­sa­gen. Seit Novem­ber 2020 ist er mit dem „ZDF Maga­zin Roya­le“ im Haupt­pro­gramm ange­kom­men und lie­fert eine hal­be Stun­de Late-Night-Sati­re. Neben Humor, der regel­mä­ßig hart an der Gür­tel­li­nie ver­läuft, wid­met sich das For­mat jede Woche poli­tisch, wirt­schaft­lich und gesamt­ge­sell­schaft­lich hochr­e­le­van­ten, aber lei­der auch unter­re­prä­sen­tier­ten Themen.

Bei­trag im ZDF zeigt kri­ti­sche Fol­gen ille­ga­len und inva­si­ven Sandabbaus

Am 09. April 2021 ging es um einen Roh­stoff, der uns alle umgibt, den wir aber bewusst nur im Urlaub wahr­neh­men: Sand. Er steckt in vie­len Pro­duk­ten wie Glas und Mikro­chips, aber vor allem ist er die wich­tigs­te Zutat im Beton. Und damit für das boo­men­de Geschäft der Bau­bran­che. Die Welt­be­völ­ke­rung wächst ste­tig und zieht vom Land in die Stadt, da muss schnell gebaut werden.

Der Bericht des ZDF Maga­zin Roya­les weist auf die schwer­wie­gen­den Kon­se­quen­zen der unkon­trol­lier­ten Ent­nah­me von Sand hin, vor allem aus dem Meer. Wüs­ten­sand bei­spiels­wei­se wäre in gro­ßen Men­gen ver­füg­bar, aller­dings ist er auf­grund der run­den Form der Sand­kör­ner unge­eig­net für die Ver­wen­dung im Beton. Das hat zur Fol­ge, dass aus dem Meer und aus Flüs­sen gro­ße Men­gen Sand ille­gal ent­nom­men wer­den. In Indi­en hat der Obers­te Gerichts­hof des Bun­des­staa­tes Maha­rash­tra den Sand­ab­bau in der Bucht von Mum­bai ver­bo­ten – auf­grund von Kor­rup­ti­on und hohen Gewin­nen geht das ille­ga­le Geschäft den­noch weiter.

Die Fol­gen des Sand­ab­baus – so zeigt der Bei­trag – kann ver­hee­ren­de Fol­gen für die loka­le Bevöl­ke­rung haben: Fluss­ufer und Inseln ero­die­ren, bei Über­schwem­mun­gen ver­lie­ren Men­schen ihre Häu­ser. Zudem gehen wert­vol­le Öko­sys­te­me wie Koral­len­rif­fe ver­lo­ren. Gera­de vor dem Hin­ter­grund der stei­gen­den Mee­res­spie­gel eine Ent­wick­lung, die Besorg­nis erregt. Das bestä­tigt auch Kiran Perei­ra, Autorin des Buches „Sand Sto­ries“, die per Video­schal­te zu Gast im Stu­dio war.

Lösungs­an­sät­ze gibt es, aber kei­nen öffent­li­chen Druck

Der Bedarf an Sand ist groß: wäh­rend die USA im gesam­ten 20. Jahr­hun­dert etwa 4,5 Mrd. Ton­nen Beton ver­bau­ten, wies Chi­na allein zwi­schen 2011 und 2013 einen Bedarf von 6,6 Mrd. Ton­nen auf. Lang­fris­tig rech­nen Bau­kon­zer­ne mit einer Zunah­me der Kos­ten um 35%, weil die Beschaf­fung der Roh­ma­te­ria­li­en Sand, aber auch Kup­fer und Zinn schwie­ri­ger wird. Und auch vom kli­ma­ti­schen Stand­punkt aus betrach­tet kommt die Bran­che nicht gut weg, allein die Zement- und Beton­pro­duk­ti­on ist für 8% des welt­wei­ten CO2-Aus­sto­ßes verantwortlich.

Daher ent­wi­ckeln Archi­tek­tur­bü­ros und Bau­un­ter­neh­mer zuneh­mend Kon­zep­te, bei denen die ver­wen­de­ten Mate­ria­li­en wie­der­ver­wert­bar sind. Noch ist der Markt für recy­cel­tes Bau­ma­te­ri­al klein, aber das The­ma wird immer mehr in den Fokus des Bau­ge­wer­bes und der Poli­tik rücken müs­sen. Denn nach­hal­ti­ges Bau­en bedeu­tet nicht nur, dass kei­ne neu­en Flä­chen bebaut und alte Gewer­be­bra­chen revi­ta­li­siert wer­den. Son­dern auch, dass eine mög­lichst lang­fris­ti­ge Nut­zung der Immo­bi­lie ange­strebt wird. Und wenn es doch ein­mal Zeit für Neu­es ist, muss nicht gleich die Abriss­bir­ne anrü­cken. Denn durch eine digi­ta­le Erfas­sung der ver­wen­de­ten Mate­ria­li­en und der modu­la­ren Bau­wei­se kön­nen die Bau­tei­le sehr effi­zi­ent wei­ter­ver­wen­det werden.

Jede Indus­trie, die mit end­li­chen Res­sour­cen wie Öl oder Sand wirt­schaf­tet, muss sich eher heu­te als mor­gen Gedan­ken dar­über machen, wie sie ihr Geschäft in Zukunft betrei­ben will. Daher sind Ansät­ze, die das Bau­en nach­hal­ti­ger machen und die Pro­duk­ti­on von Bau­ab­fall so gering wie mög­lich hal­ten, zu begrüßen.

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