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Immer weni­ger Azu­bis: Logis­tik muss Inter­es­sier­te begeistern

Die Situa­ti­on auf dem Aus­bil­dungs­markt bleibt wei­ter­hin ange­spannt, die Zahl der gemel­de­ten Bewer­be­rin­nen und Bewer­ber für Berufs­aus­bil­dungs­stel­len sta­gniert. Das geht aus einer aktu­el­len Ana­ly­se des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts her­vor: Dem­nach haben 2021 ledig­lich 0,3 Pro­zent mehr Men­schen in Deutsch­land einen neu­en Aus­bil­dungs­ver­trag in der dua­len Berufs­aus­bil­dung abge­schlos­sen als im Vor­jahr. Eini­ge Bun­des­län­der wie Baden-Würt­tem­berg mel­de­ten sogar einen his­to­ri­schen Tief­stand. Pro­gno­sen für die­ses Aus­bil­dungs­jahr, das am 1. August star­tet, sind laut Berufs­bil­dungs­be­richt des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums für Bil­dung und For­schung durch erheb­li­che Unsi­cher­hei­ten wie den Krieg in der Ukrai­ne und die damit nur bedingt pro­gnos­ti­zier­ba­ren öko­no­mi­schen Aus­wir­kun­gen schwer zu treffen.

„Die Lage wird immer dra­ma­ti­scher, und wir müs­sen als dritt­größ­ter Wirt­schafts­be­reich hier­zu­lan­de ein­fach mehr unter­neh­men, um eine Aus­bil­dung in der Logis­tik für jun­ge Men­schen inter­es­sant zu machen“, erklärt Wirt­schafts­ma­cher-Spre­che­rin Frau­ke Heis­ter­mann. „Wir kön­nen die­se Ent­wick­lung nicht aus­sit­zen, denn wer heu­te nicht aus­bil­det, dem feh­len mor­gen noch mehr Fachkräfte.“

Erschwe­rend kommt hin­zu, dass sich die Situa­ti­on bei Berufs­kraft­fah­re­rin­nen und ‑fah­rer wei­ter ver­schärft. Laut Sta­tis­ti­schem Bun­des­amt ist dort der Anteil der Alters­grup­pe 55 plus unter den Lkw-Fahrer:innen mit 35 Pro­zent deut­lich höher als unter den Erwerbs­tä­ti­gen ins­ge­samt (25 Pro­zent). Die Quo­te der unter 25-jäh­ri­gen Berufseinsteiger:innen liegt in die­sem Bereich dage­gen bei ledig­lich drei Pro­zent. Unter allen Erwerbs­tä­ti­gen machen die unter 25-Jäh­ri­gen dage­gen laut der Sta­tis­ti­ker knapp zehn Pro­zent aus. Wie stark ein aku­ter Man­gel an geschul­tem Fach­per­so­nal in der Logis­tik die Gesamt­wirt­schaft tref­fen kann, zeig­te zuletzt die Situa­ti­on in Groß­bri­tan­ni­en, wo durch die Ein­schrän­kung der EU-wei­ten Frei­zü­gig­keit im Zusam­men­hang mit dem Bre­x­it plötz­lich tau­sen­de Berufs­kraft­fah­re­rin­nen und ‑fah­rer­aus dem Aus­land fehl­ten. Plötz­lich ging Tank­stel­len der Treib­stoff aus, Super­mark­re­ga­le blie­ben leer.

Offe­ne Stel­len gibt es aber auch in ande­ren Berei­chen der Lie­fer­ket­te, auch Fach­la­ge­ris­tin­nen und ‑lage­ris­ten sowie IT-Fach­kräf­te wer­den eben­falls hän­de­rin­gend gesucht. Mitt­ler­wei­le gibt es neben 110 Logis­tik- und logis­tik­na­hen Stu­di­en­gän­gen rund 200 Aus­bil­dungs­be­ru­fe, die Logis­tik­in­ter­es­sier­te erler­nen können.

Für die Image-Initia­ti­ve Wirt­schafts­ma­cher bedeu­tet dies vor allem viel Auf­klä­rungs­ar­beit. Sie kon­zen­triert sich in die­sem Jahr dar­um ver­stärkt dar­auf, Kar­rie­re­chan­cen in der Logis­tik auf­zu­zei­gen, geht mit zahl­rei­chen The­men­hef­ten in Berei­chen wie Digi­ta­li­sie­rung, Inno­va­ti­on oder auch Nach­hal­tig­keit für ein brei­tes Publi­kum in die Tie­fe und ent­kräf­tet in einer Social-Media-Kam­pa­gne land­läu­fi­ge Vor­ur­tei­le über den Wirt­schafts­be­reich. Das Ziel: bes­ser dar­über infor­mie­ren, wie viel­fäl­tig die Job­mög­lich­kei­ten in der Logis­tik sind und wel­che Auf­stiegs­chan­cen es gibt.

„Jetzt gilt es: Wir müs­sen als Wirt­schafts­be­reich alles dafür tun, jun­ge Men­schen von der Logis­tik zu über­zeu­gen und sie und für ihre zen­tra­le Rol­le in der Ver­sor­gung zu begeis­tern. Wir müs­sen das The­ma Fach­kräf­te­man­gel pro­ak­tiv ange­hen. Sich zu bekla­gen, dass wir in der Logis­tik nicht genug qua­li­fi­zier­te Leu­te fin­den, hilft nie­man­dem weiter.Gefragt sind dabei auch Initia­ti­ven der Unter­neh­men, um gezielt für Nach­wuchs zu wer­ben. Dazu gehö­ren eben­falls attrak­ti­ve Arbeits­zeit­mo­del­le in den Berei­chen, wo es mög­lich ist, soll­te es eine leis­tungs­ge­rech­te Ver­gü­tung geben und in eini­gen Berei­chen auch eine Prä­mie für die Ver­trags­un­ter­zeich­nung. Nur damit und in Ver­bin­dung mit einer kon­ti­nu­ier­li­chen Öffent­lich­keits­ar­beit haben wir eine Chan­ce, die Abwärts­spi­ra­le beim The­ma Aus­bil­dung in der Logis­tik zu durch­bre­chen“, erklärt Frau­ke Heistermann.

Dia­gramm:

Aus­bil­dungs­markt in Deutsch­land 2018–2021, Quel­le: Bun­des­agen­tur für Arbeit

2018/19: 511.799 gemel­de­te Bewerber:innen, 53.137 unbe­setz­te Ausbildungsstellen

2019/20: 472.981 gemel­de­te Bewerber:innen, 59.948 unbe­setz­te Ausbildungsstellen

2020/21: 433.543 gemel­de­te Bewerber:innen, 63.176 unbe­setz­te Ausbildungsstellen

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