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Sand im Getriebe des nachhaltigen Bauens

Sie kennen das vielleicht noch vom Zähneputzen als Kind: Paste drauf, Bürste rein und Sanduhr umdrehen. Sobald der ganze Sand verronnen ist, kann man aufhören.

Was in diesem kleinen Bild funktioniert, passiert gerade auch auf globalem Maßstab überall in der Welt: Der Sand wird knapp. Richtig, Sand. Wichtigste Zutat im Beton und damit für das boomende Geschäft der Baubranche. Die Weltbevölkerung wächst stetig und zieht vom Land in die Stadt, da muss schnell gebaut werden.

Die unkontrollierte Entnahme von Sand hat starken Einfluss auf das Ökosystem Meer. Denn weil er im Vergleich zum Wüstensand günstigere Eigenschaften aufweist, wird auch krimineller Sandabbau betrieben. Der Bedarf ist groß: während die USA im gesamten 20. Jahrhundert etwa 4,5 Mrd. Tonnen Beton verbauten, wies China allein zwischen 2011 und 2013 einen Bedarf von 6,6 Mrd. Tonnen auf. Langfristig bedeutet das, Baukonzerne mit einer Zunahme der Kosten von 35% rechnen, weil die Beschaffung der Rohmaterialien Sand, aber auch Kupfer und Zinn schwieriger wird. Und auch vom klimatischen Standpunkt aus betrachtet, kommt die Branche nicht gut weg, allein die Zement- und Betonproduktion ist für 8% des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich.

Daher entwickeln Architekturbüros und Bauunternehmer zunehmend Konzepte, bei denen die verwendeten Materialien wiederverwertbar sind. Noch ist der Markt für recyceltes Baumaterial klein, aber das Thema wird immer mehr in den Fokus des Baugewerbes und der Politik rücken müssen. Denn nachhaltiges Bauen bedeutet nicht nur, dass keine neuen Flächen bebaut und alte Gewerbebrachen revitalisiert werden. Sondern auch, dass eine möglichst langfristige Nutzung der Immobilie angestrebt wird. Und wenn es doch einmal Zeit für Neues ist, muss nicht gleich die Abrissbirne anrücken. Denn durch eine digitale Erfassung der verwendeten Materialien und der modularen Bauweise können die Bauteile sehr effizient weiterverwendet werden.

Jede Industrie, die mit endlichen Ressourcen wie Öl oder Sand wirtschaftet, muss sich eher heute als morgen Gedanken darüber machen, wie sie ihr Geschäft in Zukunft betreiben will. Daher sind Ansätze, die das Bauen nachhaltiger machen und die Produktion von Bauabfall so gering wie möglich halten, zu begrüßen.